1885 bis 1925

1885 bis 1925

In der Rasenmühle zu Langensalza wurde schon im Jahre 1885, die Fabrikräume der Wollspinnerei durch Glühlampen erhellt. Der Besitzer und Direktor der Spinnerei, Herr Ernst Weiß, stammte aus einer Familie von Großkaufleuten, die immer bestrebt waren, ihre Betriebe unter Ausnutzung der besten technischen Möglichkeiten zu optimieren. Der damals 20-jährige Ernst Weiß, gerade von der technischen Hochschule zurückgekehrt, war ein technisch sehr interessierter Mann, der u. a. schon 1884 die erste Telefonleitung in Langensalza verlegte, indem er das Geschäftshaus in der Salzstraße mit der Rasenmühle "drathlich" verband. Die Webstühle in der Rasenmühle, die von einer Dampfmaschine über lange Wellen und Transmissionen angetrieben wurde, stellte er später auf Elektromotorenantrieb direkt am Arbeitsplatz um. Die Erzeugungsmaschinen für den Elektroenergiebedarf konnten ein vielfaches mehr leisten, als er für seine Fabrik benötigte. Da er aber rentabel arbeiten wollte, schloss Ernst Weiß am 25. April 1896 einen Vertrag mit dem Magistrat Langensalza ab, in welchem ihm das alleinige Recht für die Erzeugung und Verteilung von elektrischem Strom zuerkannt wurde.

In diesem Vertrag wurden Pflichten und Rechte zwischen Betreiber und Nutzer festgeschrieben.

Geregelt wurde u. a. in folgenden ausgewählten Paragraphen:

§3die Bedingungen, die von der Firma Weiß in der Trassenführung zu beachten sind
§5Gewährleistung und Regresspflicht der Firma Weiß 
§9Angaben über die zu erbringenden Leistungen (so musste z.B. die Fa. Weiß die Anlagen für die Stadt um 5% billiger bezahlen)
§15Vereinbarungen über die Straßenbeleuchtung (Errichtung, Wartung und tägliche Reinigung war von Fa. Weiß unentgeltlich zu bewirken)

Wichtigste Regelung war der §4 und die dazugehörige Anlage C. Inhaltlich wird darin festgelegt, dass nach Vertragsablauf das gesamte Leistungsnetz nebst Zubehör kostenlos in das Eigentum der Stadtgemeinde eingeht.

Am 1. September 1896 leuchteten zum ersten Mal in den Häusern von Langensalza elektrische Glühlampen auf. In der am Stadtand gelegenen Rasenmühlespinnerei wurde ein 50 kW Gleichstromgenerator angetrieben. Vier starke Kupferseile leiteten so die erzeugte Elektroenergie zum errichteten Stadtwerk in der Engen Gasse, wo auch die Batterie und das Materiallager Unterkunft fanden. Von hier aus wurde der Gleichstrom 2 x 110 V nach dem Dreileitersystem im Stadtgebiet verteilt. Mit der Planung und Baubetreuung wurde die "Elektrizitäts- Aktiengesellschaft, vormals Schuckert & Co., Zweigniederlassung Leipzig" beauftragt. Herr Goldammer hatte eine so vorzügliche und umsichtige Arbeit geleistet, dass sich Herr Ernst Weiß mit Erfolg bemühte, Herrn Goldammer als Technischen Leiter zu gewinnen.

Geschichte der Stromversorgung

1898 erfolgte die erste Erweiterung der Erzeugung um 60 kW. Zum Einsatz kam eine besondere Dampfmaschine mit Drehstromgenerator 3 x 300 Volt. Mittels Erdkabel wurde der auf 3000 Volt hochgespannte Wechselstrom zum Stadtwerk geleitet, wo er durch einen Umformer wieder in Gleichstrom gewandelt wurde. Das errichtete Gleichstromnetz bestand aus 10 Stromkreisen. Das Freileitungsnetz wurde über Kupferkabel eingespeist, welche schon eingearbeitete Steuerleistungen besaß, mit denen man im Zentralen Schaltwerk Spannung an den Freileitungen kontrollieren konnte. Im Jahre 1903 wurde mit dem Ausbau der Stromerzeugung in der Engen Gasse begonnen. Zum einen, weil sich die zentrale Lage als äußerst günstig erwies, zum anderen, um die Leitungsverluste von der Rasenmühle zur Engen Gasse zu verringern. Auf der Leipziger Messe wurde ein 2 x 70 PS Dieselmotor (Baujahr 1902) gekauft und mit ihm über einen Generator Gleichstrom erzeugt. 1907 und 1914 wurden zwei weitere Dieselmotoren mit 155 kW und 275 kW elektrischer Leistung aufgebaut. Das Leistungsvermögen betrug 1914 stolze 530 kW.

Die Stromerzeugung in der Rasenmühle wurde nach dem 1. Weltkrieg eingestellt und die Rasenmühle verkauft. Damit erfolgte der weitere Ausbau der Erzeugung im Elektrizitätswerk Enge Gasse. Im Jahre 1920 wird eine Lokomobile, Baujahr 1914, mit einer elektrischen Leistung von 150 kW installiert. Diese war sehr betriebssicher und lief bis zum Jahre 1949. Im Dezember des Jahres 1925 betrug der elektrische Leistungsbedarf 480 kW, das Leistungsvermögen betrug 680 kW. Bei Ausfall des größten Dieselmotors konnte nur voll versorgt werden, wenn die vorhandene Batterieanlage von 1000 Ah (Amperestunden) zugeschaltet wurde. Im Normalbetriebsablauf war sie nur in den Nachtstunden in Betrieb.

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